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Freelancer-Steuern berechnen in Deutschland

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Berechnung von Einkommensteuer, Sozialabgaben und Umsatzsteuer als Freelancer in Deutschland.

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Du hast dein erstes Quartal als Freelancer hinter dir. Die Auftraege laufen, das Konto fuellt sich, aber jetzt kommt die Frage, die jeder Selbstständige irgendwann beantworten muss: Was schuldest du dem Finanzamt?

Die Antwort ist weniger kompliziert, als du denkst. In dieser Anleitung rechnest du Schritt für Schritt durch, welche Steuern und Abgaben auf dich zukommen, mit konkreten Zahlen für 2026.

Schritt 1: Deinen Gewinn ermitteln

Bevor du überhaupt an Steuern denkst, brauchst du eine Zahl: deinen Gewinn. Die Formel ist einfach:

Gewinn = Einnahmen - Betriebsausgaben

Als Freelancer machst du in der Regel eine Einnahmen-Ueberschuss-Rechnung (EUeR). Du listest auf, was reingekommen ist, und ziehst ab, was du für dein Geschäft ausgegeben hast.

Typische absetzbare Betriebsausgaben

  • Arbeitszimmer oder Coworking-Space
  • Computer, Monitor, Peripherie (über 800 Euro netto: Abschreibung über Nutzungsdauer)
  • Software und Abos (Cloud-Dienste, Projektmanagement, Buchhaltung)
  • Telefon und Internet (beruflicher Anteil)
  • Fachliteratur und Weiterbildung
  • Reisekosten und Verpflegungsmehraufwand
  • Beitraege zu Berufsverband oder Kammer
  • Steuerberaterkosten
  • Bueroausstattung und Verbrauchsmaterial

Wichtig: Sammle alle Belege. Ohne Nachweis keine Absetzbarkeit. Digital geht das am besten. Fotografiere jeden Beleg sofort.

Schritt 2: Einkommensteuer berechnen

Dein Gewinn ist dein zu versteuerndes Einkommen (vereinfacht, Sonderausgaben und Vorsorgeaufwendungen können es noch reduzieren). Deutschland hat einen progressiven Steuertarif: Je mehr du verdienst, desto hoeher der Steuersatz.

Steuertarif 2026 (Ledige, Grundtabelle)

ZoneZu versteuerndes EinkommenSteuersatz
Grundfreibetragbis 12.348 Euro0 %
Untere Progressionszone12.349–17.799 Euro14–24 %
Obere Progressionszone17.800–69.878 Euro24–42 %
Spitzensteuersatz69.879–277.825 Euro42 %
Reichensteuerab 277.826 Euro45 %

Der Grundfreibetrag von 12.348 Euro bleibt komplett steuerfrei. Erst ab dem nächsten Euro greift die Progression, und zwar nur auf den Betrag, der darüber liegt.

Rechenbeispiel: 45.000 Euro Gewinn

Bei einem zu versteuernden Einkommen von 45.000 Euro zahlst du 2026 ca. 8.950 Euro Einkommensteuer. Das entspricht einem Durchschnittssteuersatz von etwa 19,9 %. Dein Grenzsteuersatz (der Satz für den letzten verdienten Euro) liegt bei ca. 35 %.

Das bedeutet: Von jedem zusaetzlichen Euro, den du verdienst, gehen rund 35 Cent an Einkommensteuer. Aber im Durchschnitt zahlst du nur knapp 20 Cent pro Euro.

Schritt 3: Solidaritaetszuschlag pruefen

Der Solidaritaetszuschlag betraegt 5,5 % der Einkommensteuer, aber nur, wenn deine Einkommensteuer die Freigrenze von 20.350 Euro (Ledige, 2026) übersteigt.

Bei unserem Beispiel mit 8.950 Euro Einkommensteuer liegst du darunter. Kein Soli faellig.

Erst ab einem zu versteuernden Einkommen von ca. 70.000 Euro wird der Soli relevant. Fuer die meisten Freelancer in den ersten Jahren spielt er keine Rolle.

Schritt 4: Gewerbesteuer, betrifft dich das?

Hier kommt eine entscheidende Unterscheidung: Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Freiberufler (nach Paragraph 18 EStG) zahlen keine Gewerbesteuer. Dazu gehoeren unter anderem:

  • Programmierer und IT-Berater
  • Designer und Kreative
  • Journalisten und Autoren
  • Berater und Coaches
  • Aerzte, Anwaelte, Architekten

Gewerbetreibende (z.B. Haendler, Vermittler, manche Agenturen) zahlen Gewerbesteuer, allerdings mit einem Freibetrag von 24.500 Euro. Darunter faellt nichts an. Darüber werden je nach Hebesatz der Gemeinde ca. 14–17 % auf den Gewinn oberhalb des Freibetrags faellig.

Wenn du unsicher bist: Dein Finanzamt teilt dir bei der Anmeldung mit, ob du als Freiberufler oder Gewerbetreibender eingestuft wirst.

Schritt 5: Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer)

Die Umsatzsteuer ist keine Steuer auf deinen Gewinn. Du bist nur der Mittelsmann zwischen deinem Kunden und dem Finanzamt. Trotzdem musst du sie korrekt abfuehren.

Regelbesteuerung

Du schlaegst 19 % Umsatzsteuer auf deine Rechnungen (7 % für bestimmte Leistungen wie Texte, Fotos, kuenstlerische Werke). Diese fuehrst du ans Finanzamt ab, darfst aber die Umsatzsteuer deiner eigenen Einkäufe (Vorsteuer) dagegen verrechnen.

Kleinunternehmerregelung (Paragraph 19 UStG)

Seit 2025 gelten neue Grenzen:

BedingungGrenze
Vorjahresumsatz (netto)max. 25.000 Euro
Laufendes Jahr (netto)max. 100.000 Euro

Liegst du darunter, kannst du die Kleinunternehmerregelung nutzen: Du stellst Rechnungen ohne Umsatzsteuer und musst keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. Der Nachteil: Du bekommst auch keine Vorsteuer zurück.

Achtung: Seit 2025 gilt ein sogenannter Fallbeileffekt. Ueberschreitest du die 100.000-Euro-Grenze im laufenden Jahr, wirst du sofort umsatzsteuerpflichtig. Nicht erst im Folgejahr.

Schritt 6: Sozialversicherung

Als Freelancer bist du nicht automatisch sozialversichert. Um diese Beitraege kommst du trotzdem nicht herum:

Krankenversicherung

Du hast zwei Optionen:

  • Gesetzlich (freiwillig): 14,6 % + Zusatzbeitrag (ca. 1,7 %) + Pflegeversicherung (ca. 3,4 %) auf deinen Gewinn. Mindestbeitrag ca. 230 Euro/Monat, Hoechstbeitrag ca. 1.050 Euro/Monat.
  • Privat: Beitrag abhaengig von Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Tarif. Oft guenstiger in jungen Jahren, aber ohne automatische Familienversicherung.

Rentenversicherung

Fuer die meisten Freiberufler freiwillig, aber Pflicht für bestimmte Berufsgruppen:

  • Lehrer und Erzieher
  • Pflegepersonen
  • Kuenstler und Publizisten (über die Kuenstlersozialkasse)
  • Hebammen
  • Selbstständige mit nur einem Auftraggeber

Der allgemeine Beitragssatz liegt bei 18,6 % des Einkommens. Bei der Kuenstlersozialkasse zahlst du nur die Haelfte.

Vergleich: Was bleibt bei verschiedenen Einkommensstufen?

Hier ein Überblick für ledige Freiberufler (keine Kirchensteuer, gesetzlich krankenversichert, keine Gewerbesteuer):

25.000 Euro45.000 Euro75.000 Euro
Brutto-Gewinn25.00045.00075.000
Einkommensteuer~2.800~8.950~19.700
Solidaritaetszuschlag000
Kranken- + Pflegeversicherung (ca. 19,7 %)~4.925~8.865~12.600 (Hoechstbeitrag)
Verbleibend (ca.)~17.275~27.185~42.700
Effektive Abgabenlast~31 %~40 %~43 %

Diese Tabelle zeigt: Mit steigendem Einkommen steigt die prozentuale Belastung deutlich. Genau deshalb ist es so wichtig, von Anfang an genügend zurückzulegen.

Hinweis: Die Werte sind gerundete Naeherungswerte für 2026. Deine individuelle Situation kann durch Sonderausgaben, Kinderfreibetraege, Kirchensteuer oder andere Faktoren abweichen.

Der einfache Weg: Automatisch berechnen

Steuern manuell berechnen funktioniert, aber es ist muehsam und fehleranfaellig. Besonders wenn sich deine Einnahmen monatlich aendern, verlierst du schnell den Überblick.

Nett berechnet deine Steuerrücklage automatisch. Du traegst deine Einnahmen und Ausgaben ein (oder scannst einfach deine Belege), und die App zeigt dir in Echtzeit, wie viel du tatsaechlich ausgeben kannst, nach Abzug aller Steuerrücklagen.

Kein Raten, kein Tabellenkalkulieren, kein boeses Erwachen bei der Steuererklärung.


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