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Steuern zurücklegen als Freelancer in Deutschland

Praktischer Leitfaden, um zu verstehen, wie viel Geld du als Freiberufler in Deutschland jeden Monat für Steuern zurücklegen solltest. Einkommensteuer, Krankenversicherung und ein reales Beispiel.

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Du stellst eine Rechnung über 3.000 Euro. Du siehst das Geld auf deinem Konto und denkst: “Super, ich habe dreitausend Euro.” Aber nein. Hast du nicht. Ein Teil davon gehört dem Finanzamt und der Krankenkasse. Das Problem: Niemand sagt dir genau, wie viel.

Wenn du Freiberufler in Deutschland bist, kennst du diesen Kreislauf wahrscheinlich: Du bekommst eine Zahlung, gibst mit einer gewissen Vorsicht aus (oder vielleicht nicht genug), und wenn die Steuervorauszahlung kommt, hast du ein Problem. Oder schlimmer: Die Steuererklärung ergibt eine Nachzahlung, die du nicht erwartet hast.

Hier erfährst du, wie viel du wirklich zurücklegen solltest, nach welchem Prinzip das funktioniert und warum man besser früh damit anfängt.

Die zwei großen Abzüge: Einkommensteuer und Krankenversicherung

Als Freiberufler in Deutschland zahlst du zwei Hauptposten:

  1. Einkommensteuer: was du ans Finanzamt zahlst, abhängig davon, wie viel du verdienst.
  2. Kranken- und Pflegeversicherung: was du monatlich für deine Absicherung zahlst.

Es gibt noch einen dritten Punkt, der oft für Verwirrung sorgt: die Umsatzsteuer. Aber die Umsatzsteuer ist nicht deine Steuer. Du sammelst sie nur für das Finanzamt ein. Sie sollte dein Portemonnaie nicht belasten, wenn du sie richtig handhabst (gib sie einfach nicht aus). Als Kleinunternehmer mit weniger als 22.000 Euro Umsatz bist du sogar komplett befreit. Deshalb konzentrieren wir uns hier auf die zwei Posten, die dein Einkommen direkt betreffen.

Wichtig: Als Freiberufler zahlst du keine Gewerbesteuer. Das ist ein echter Vorteil gegenüber Gewerbetreibenden. Freiberufler (Katalogberufe wie Designer, Entwickler, Berater, Journalisten etc.) sind davon ausgenommen.

1. Einkommensteuer: der progressive Steuertarif

Die Einkommensteuer wird auf deinen Gewinn berechnet, nicht auf deinen Umsatz. Das heißt: Einnahmen minus Betriebsausgaben. Wenn du 40.000 Euro in Rechnung stellst, aber 5.000 Euro Betriebsausgaben hast (Coworking, Software, Telefon, Fortbildung…), ist dein zu versteuerndes Einkommen 35.000 Euro, nicht 40.000 Euro.

Die Einkommensteuer in Deutschland folgt einer progressiven Formel. Anders als in vielen Ländern gibt es keine festen Stufen mit Sprüngen. Der Steuersatz steigt stattdessen linear an. Vereinfacht sieht das so aus:

Zu versteuerndes EinkommenGrenzsteuersatz
Bis 11.784 Euro0% (Grundfreibetrag)
11.785–17.005 Euro14%–24% (linear steigend)
17.006–66.760 Euro24%–42% (linear steigend)
66.761–277.825 Euro42%
Über 277.825 Euro45%

Einkommensteuertarif 2025: Grenzsteuersatz nach Einkommen

Der Grundfreibetrag von 11.784 Euro ist dein steuerfreies Existenzminimum. Auf diesen Betrag zahlst du keinen Cent Steuern. Erst ab dem ersten Euro darüber beginnt die Besteuerung, und zwar mit 14%, dem sogenannten Eingangssteuersatz.

Solidaritätszuschlag

Zusätzlich zur Einkommensteuer gibt es den Solidaritätszuschlag: 5,5% der Einkommensteuer. Aber keine Sorge, seit der Reform greift er erst ab einer Einkommensteuer von ca. 19.950 Euro. Für die meisten Freelancer in unserem Beispiel fällt er nicht an.

Vorauszahlungen: deine vierteljährliche Pflicht

Das Finanzamt fordert vierteljährliche Vorauszahlungen: am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember. Die Höhe basiert auf deiner letzten Steuererklärung. Im ersten Jahr kannst du die Höhe noch selbst schätzen, aber danach setzt das Finanzamt die Beträge fest.

Fang deshalb von Anfang an damit an, Geld zurückzulegen. Wer erst bei der Steuererklärung ans Finanzamt denkt, hat oft schon verloren.

2. Kranken- und Pflegeversicherung: deine größte Fixkostenstelle

Als Selbstständiger in Deutschland bist du versicherungspflichtig. Du musst krankenversichert sein. Du hast die Wahl zwischen der gesetzlichen (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV).

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Die Beiträge setzen sich so zusammen:

  • Krankenversicherung: 14,6% + Zusatzbeitrag (~1,7%) = ~16,3%
  • Pflegeversicherung: ~3,4% (ohne Kinder) = ~3,4%
  • Gesamt: ~19,7% deines Gewinns

Als Selbstständiger zahlst du den vollen Beitrag. Es gibt keinen Arbeitgeberanteil, der die Hälfte übernimmt. Die Bemessungsgrundlage ist dein Gewinn, wobei es einen Mindestbeitrag (ca. 210 Euro/Monat) und eine Beitragsbemessungsgrenze (~5.175 Euro/Monat Einkommen, darüber steigt der Beitrag nicht mehr) gibt.

Für einen Gewinn von 35.000 Euro zahlst du damit ca. 500 bis 600 Euro pro Monat.

Private Krankenversicherung (PKV)

Oft günstiger für junge, gesunde Freelancer ohne Kinder. Die Beiträge richten sich nach Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Tarif, nicht nach dem Einkommen. Aber Vorsicht: Die Beiträge steigen mit dem Alter, und ein Wechsel zurück in die GKV ist schwierig.

Der Steuervorteil

Hier kommt die gute Nachricht: Deine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sind als Sonderausgaben steuerlich absetzbar. Das senkt dein zu versteuerndes Einkommen und damit auch deine Einkommensteuer. Eine Sache kompensiert also teilweise die andere.

Praktisches Beispiel: Freelancer mit 40.000 Euro Umsatz pro Jahr

Gehen wir einen realen Fall durch. Freelance-Designer, ein paar Jahre im Geschäft, 40.000 Euro Umsatz dieses Jahr.

Schritt 1: Berechne deinen Gewinn

PostenBetrag
Jahresumsatz40.000 Euro
Betriebsausgaben (Coworking, Software, Telefon, Fortbildung…)-5.000 Euro
Gewinn35.000 Euro

Schritt 2: Kranken- und Pflegeversicherung

In der gesetzlichen KV bei 35.000 Euro Jahresgewinn:

  • Monatliches Einkommen: ~2.917 Euro
  • Beitrag GKV + PV (~19,7%): ~575 Euro/Monat
  • Geschätzter Jahresbeitrag: ~6.500 Euro (~542 Euro/Monat)

Diese Beiträge sind als Sonderausgaben steuerlich absetzbar.

Schritt 3: Einkommensteuer

Dein zu versteuerndes Einkommen:

  • Gewinn: 35.000 Euro
  • KV/PV-Beiträge (absetzbar): -6.500 Euro
  • Zu versteuerndes Einkommen: ~28.500 Euro

Berechnung nach der Steuerformel (vereinfacht, Zone 3 des Tarifs):

  • z = (28.500 - 17.005) / 10.000 = 1,1495
  • ESt = (206,43 × z + 2.397) × z + 869,32
  • ESt = (237,29 + 2.397) × 1,1495 + 869,32
  • ESt = 3.028,32 + 869,32

Einkommensteuer: ~3.900 Euro

Solidaritätszuschlag: 0 Euro (unter der Freigrenze von ~19.950 Euro Einkommensteuer).

Die Zusammenfassung

PostenJährlichMonatlich
Kranken-/Pflegeversicherung6.500 Euro542 Euro
Einkommensteuer3.900 Euro325 Euro
Gesamtabgaben~10.400 Euro~867 Euro

Von deinen 40.000 Euro Umsatz:

  • 5.000 Euro gehen für Betriebsausgaben drauf
  • 10.400 Euro gehen an Staat und Krankenkasse
  • Dir bleiben ~24.600 Euro, also etwa 2.050 Euro pro Monat

Das ist ein effektiver Abgabensatz von ~26% auf deinen Umsatz. Von jedem 100 Euro, die du in Rechnung stellst, gehen ungefähr 26 Euro ans Finanzamt und die Krankenkasse.

Aber lass dich nicht täuschen, es steigt schnell. Sobald dein Einkommen 66.760 Euro übersteigt, greift der Spitzensteuersatz von 42%. Ein Freelancer mit 80.000 Euro Umsatz hat einen ganz anderen effektiven Satz als einer mit 40.000 Euro.

Wohin gehen deine 40.000 Euro: Jahresaufschlüsselung

Die Faustregel: Lege zwischen 25% und 40% zurück

Wenn du nicht jedes Mal rechnen willst, wenn eine Zahlung eingeht, hier eine praktische Orientierung:

  • Umsatz unter 25.000 Euro/Jahr → lege 25% von jedem Zahlungseingang zurück
  • Umsatz zwischen 25.000 und 50.000 Euro/Jahr → lege 30% zurück
  • Umsatz über 50.000 Euro/Jahr → lege 40% zurück (der Spitzensteuersatz von 42% greift ab ~66.760 Euro Einkommen)

Diese Prozentsätze decken sowohl die Einkommensteuer als auch die Kranken- und Pflegeversicherung ab. Sie sind Näherungswerte, aber sie schützen dich vor bösen Überraschungen bei der Steuererklärung.

Der Trick ist einfach: Jedes Mal, wenn eine Zahlung auf deinem Konto eingeht, überweise den Prozentsatz sofort auf ein separates Sparkonto. Fass es nicht an. Es existiert nicht. Es ist Geld des Finanzamts und der Krankenkasse, das vorübergehend auf deinem Konto liegt.

Faustregel - wie viel zurücklegen nach Umsatzhöhe

Was dein Steuerberater noch wissen sollte

Dieser Artikel vereinfacht die Dinge bewusst. In der Realität gibt es Variablen, die deine Zahlen verändern können:

  • Private vs. gesetzliche Krankenversicherung: Der Unterschied kann mehrere hundert Euro pro Monat ausmachen, je nach Alter und Gesundheitszustand.
  • Kirchensteuer: 8-9% der Einkommensteuer, falls du Mitglied einer Kirchensteuer erhebenden Religionsgemeinschaft bist. Bei unserem Beispiel wären das ca. 320-360 Euro extra pro Jahr.
  • Rentenversicherung: Für die meisten Freiberufler freiwillig, aber Pflicht für einige Berufsgruppen (z.B. Lehrer, Hebammen, Künstler über die KSK). Falls du in die Künstlersozialkasse fällst, übernimmt diese quasi den “Arbeitgeberanteil”.
  • Kleinunternehmerregelung: Unter 22.000 Euro Umsatz im Vorjahr bist du von der Umsatzsteuer befreit. Das vereinfacht vieles, aber du kannst dann auch keine Vorsteuer abziehen.
  • Investitionsabzugsbetrag und andere Abschreibungsmöglichkeiten können dein zu versteuerndes Einkommen deutlich senken.
  • Häusliches Arbeitszimmer: Wenn du von zu Hause arbeitest, kannst du bis zu 1.260 Euro pro Jahr als Homeoffice-Pauschale absetzen (oder mehr, wenn du ein separates Arbeitszimmer hast).

Ein guter Steuerberater hilft dir mit all dem. Das Ziel ist einfach: dass du jederzeit weißt, wie viel du wirklich ausgeben kannst, ohne in Schwierigkeiten zu geraten.

Nett macht diese Berechnung für dich, jeden Tag

Nett rechnet all diese Faktoren automatisch im Hintergrund ein: Steuertarif, Krankenversicherung, Vorauszahlungen und den progressiven Satz. Jedes Mal, wenn du eine Einnahme oder Ausgabe einträgst.

Auf deinem Bildschirm siehst du eine einzige Zahl: Tu Nett. Das ist es, was wirklich dir gehört. Das ist, was du wirklich ausgeben kannst, nachdem Steuern und Versicherung berücksichtigt sind. Ohne Tabellen. Ohne böse Überraschungen. Ohne das nagende Gefühl, nicht zu wissen, ob du gerade das Geld des Finanzamts ausgibst.

Du verbuchst eine eingegangene Rechnung von 3.000 Euro, und Nett sagt dir: “Von diesen 3.000 Euro kannst du 2.220 Euro ausgeben. Der Rest ist für Finanzamt und Krankenkasse.” Ohne Berechnungen. Ohne Überraschungen bei der Steuererklärung.

Denn zu wissen, was du verdienst, ist nicht dasselbe wie zu wissen, was dir gehört. Und genau das sagt dir Nett.

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